Absatz von Elektroauto und Diesel: E-Autos sind nicht gefragter



„Elektroautos in der EU erstmals stärker gefragt als Diesel“, so die Schlagzeile einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters gestern. In Windeseile verbreitete sich der Inhalt im Netz, auch diese Zeitung griff sie kurz auf. Doch ein ausgeruhter Blick in die Details der Statistik zeigt: Die Behauptung, die auf einer Pressemeldung des Europäischen Verbands der Autohersteller (ACEA) basiert, ist schlicht falsch.

Richtig ist vielmehr, dass Elektroautos im Juni 15 Prozent der Neuzulassungen in der EU ausmachten, der Anteil an neuen Autos, die ausschließlich oder überwiegend mit Verbrennungsmotor unterwegs sind, beträgt dagegen rund 74 Prozent. Dazu gehören auch alle Hybridfahrzeuge, die einen sehr kleinen Elektromotor mit maximal 27 PS an Bord haben. Dass man damit kein Zwei-Tonnen-Fahrzeug auf der Autobahn bewegen kann, leuchtet auch technischen Laien ein. Der elektrische Hilfsmotor senkt zwar Verbrauch und Schadstoffemissionen und hat so seine Berechtigung, als Alternative zum Verbrenner taugt er aber nicht.

Trotzdem führen die meisten nationalen Behörden, auf deren Zahlen der Verband mangels eines europäischen Datenpools zurückgreift, diese Autos als hybridelektrische Fahrzeuge. Auch das hierzulande zuständige Kraftfahrtbundesamt verschleiert die Fakten, es braucht viel Geduld, um herauszufinden, dass im selbst ernann­ten Elektroleitmarkt im vergangenen Monat 53.366 Dieselautos erstmals zugelassen wurden, etwa 40 Prozent davon arbeiten mit einer elektrischen Aushilfe. Im gleichen Zeitraum fanden 52.988 Elektroautos einen Käufer.

Dieselzulassungen nehmen zu

Es steht hierzulande also pari für beide Antriebsarten, und das wäre doch auch eine gute Nachricht für den Klimaschutz, hielte der Zubau der elek­trischen Infrastruktur mit diesem Tempo Schritt. Da dies jedoch nicht der Fall ist, darf man sich sogar freuen, wenn die durch den Betrug Einzelner in Verruf geratene Dieseltechnik, jedoch verglichen mit dem Benzinmotor sparsamere Technik, nicht allzu rasch vom Markt verschwindet. Tatsächlich nahmen die Dieselzulassungen in Deutschland zuletzt wieder zu, die Ursache liegt vermutlich darin, dass auf dem Kraftstoffmarkt wieder ein deutlicher Preisabstand zwischen Diesel und Benzin herrscht.

Offen bleibt vorerst die Frage, ob es technisches Desinteresse oder politische Interessen sind, die hinter der eigenwilligen Dateninterpretation des Branchenverbands stecken. Vielleicht wollte man den in den Urlaub fahrenden Europaparlamentariern auch nur das gute Gefühl verschaffen, alles sei auf einem guten Weg in eine elektrische Zukunft?



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