Autoren fordern Geld für Textverwertung durch KI

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Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass Künstliche Intelligenz strunzdumm ist, aber sie verändert dennoch zusehends die Welt von schlauen und besonders die von kreativen Menschen. Ein Fachmann der Informatik wie Jaron Lanier meint, es sei noch nicht oder womöglich gar nicht angemessen, von Künstlicher Intelligenz zu sprechen, und warnt davor, das damit Gemeinte zu mythologisieren. Lanier plädiert dafür, „KI“ eher als „innovative Form sozialer Zusammenarbeit“ zu begreifen.

Der Schwarm-Aspekt, der die zur Zeit noch starke Abhängigkeit der KI vom Menschen betont, hat Folgen auch für die Frage nach geistigem Eigentum und seinem Wert im Daten-Kapitalismus. Diesen Wert sehen gerade verschiedene Berufsgruppen, die von Kreativarbeit leben, massiv in Frage gestellt – es ist daher die Vorstellung von „data dignity“ entstanden, also einer angemessenen, auch monetären Würdigung kreativer Quellen im Zuge der Verwertung von Bildern, Stimmen oder Texten durch KI.

Täglich Nachrichten aufbegehrender Urheber

Laniers Utopie klingt in einem im Mai für die F.A.Z.-Beilage „Bilder und Zeiten“ übersetzten Essay so: „Wenn Sie solch ein Modell zum Beispiel bitten, ‚einen Trickfilm mit meinen Kindern in einer Ölgemälde-Welt aus abenteuerlustigen sprechenden Katzen‘ zu erstellen, würde man errechnen, dass bestimmte Maler, Katzenporträtisten, Synchronsprecher und Autoren von herausragender Bedeutung für die Schöpfung dieses neuen Meisterwerks waren. Sie würden namentlich genannt und dadurch motiviert. Und vielleicht würden sie oder ihre Erben sogar bezahlt.“

Von einer solchen Utopie scheint die Realität leider sehr weit entfernt, weshalb nun fast täglich Nachrichten von aufbegehrenden Ur­hebern zu lesen sind. Neben den streikenden Schauspielern und Drehbuchautoren melden sich in Amerika nun auch die Schriftsteller zu Wort: In einem offenen Brief der Autorengilde protestieren mehr als 9000 von ihnen gegen die kosten­lose Nutzung ihrer Werke bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Den haben so unterschiedliche Autoren wie Dan Brown und Margaret Atwood, Jonathan Franzen, Celeste Ng und Nora Roberts unterschrieben. Sie fordern von den Verantwortlichen der Unternehmen Open AI, Alphabet, Meta, Stability AI, IBM, and Microsoft, bei Verwendung ihrer Texte zur Entwicklung von und zur Verwendung durch KI allererst um Erlaubnis gefragt, vor allem aber als Quelle genannt und entlohnt zu werden.

Nahrung für die Maschine

Der Brief ist von hoher Emotionalität, und seine Implikationen sind drastisch: Die KI, wie sie von den genannten Unternehmen entwickelt wird, verdanke ihre Existenz „unseren Schriften“, heißt es darin. Diese seien Nahrung für eine Maschine, die unaufhörlich esse, ohne dafür zu bezahlen. Die Präsidentin der Gilde, Maya Shanbhag Lang, sagte in einem Interview, die Ergebnisse von KI werden immer „von abgeleiteter Art“ sein, die Technik könne nur wieder „erbrechen“, was ihr von Menschen eingegeben worden sei.

Die Petition weist ferner darauf hin, dass das Durchschnittseinkommen professioneller Autoren im vergangenen Jahrzehnt ohnehin schon um bis zu vierzig Prozent gesunken sei – wenn die genannten Unternehmen diese nicht angemessen für die Verwendung ihres Materials bezahlten, werde es bald unmöglich sein, vom Schreiben zu leben.

Diese schlechten Aussichten treffen zusammen mit der Nachricht, dass der größte Buchkonzern der USA, Penguin Random House, durch Entlassungen und Abfindungen weitere wichtige Mitarbeiter verliert, besonders in den Traditionsverlagen Knopf und Viking, die heute Imprints des Konzernverlags sind. Wie die „New York Times“ berichtet, sind etwa sechzig Mitarbeiter betroffen. Ein zitiertes Schreiben von Nihar Malaviya, dem Vorstandsvorsitzenden von Penguin Random House, an seine Angestellten, klingt ebenfalls drastisch: „I’m sad to share the news that yesterday some of our colleagues across the company were informed that their roles will be eliminated“, heißt es darin. Das mag eine idiomatische Wendung sein, der die deutsche Formulierung „ihre Stellen werden gestrichen“ entspricht, aber die Eliminierung menschlicher Aufgabenbereiche weckt im Kontext des Automatisierungsdiskurses schlimme Assoziationen und wirkt wie von einer Horror-KI generiert.



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