Tanker vor Texas: Iran droht amerikanischen Ölfirmen


Offenbar lesen die iranischen Revolutionsgarden das „Wall Street Journal“. Der Marinekommandeur Alireza Tangsiri äußerte am Donnerstag eine Drohung und schien damit auf einen Zeitungsartikel Bezug zu nehmen. Die Zeitung hatte berichtet, dass amerikanische Behörden seit Wochen vergeblich versuchen, ein beschlagnahmtes Tankschiff mit iranischem Öl zu löschen und den Erlös Terroropfern zugänglich zu machen. Der Grund: Es findet sich offenbar keine Firma, die bereit ist, das Öl von Bord zu pumpen.


Friederike Böge

Politische Korrespondentin für die Türkei, Iran, Afghanistan und Pakistan mit Sitz in Ankara.

Die infrage kommenden Unternehmen fürchteten Teherans Vergeltung, schrieb das „Wall Street Journal“. Genau damit drohte Kommandeur Tangsiri am Donnerstag: „Wir erklären, dass wir, wenn ein Unternehmen unser Öl aus diesem Tanker entleeren will, dieses Unternehmen dafür verantwortlich machen.“ Das ist insofern bemerkenswert, als dass Iran seine Operationen zum Kapern ausländische Tankschiffe bisher immer anders begründet hatte. Zum Beispiel damit, dass die Schiffe iranische Fischerboote gerammt hätten.

„Suez Rajan“ war im April beschlagnahmt worden

In dem jüngsten Streit geht es um die im April von amerikanischen Behörden beschlagnahmte „Suez Rajan“, die seit Ende Mai vor der texanischen Küste liegt. Laut der „Financial Times“ hat sie 800.000 Barrel iranisches Öl im Wert von 56 Millionen Dollar geladen. Gegen den griechischen Besitzer seien Ermittlungen wegen Verstoßes gegen amerikanische Iran-Sanktionen eingeleitet worden. Es bestehe der Verdacht, dass das Schiff die für China bestimmte Ladung auf offener See in der Nähe von Singapur von einem anderen Schiff übernommen habe.

Schon nachdem die „Suez Rajan“ im April beschlagnahmt worden war, hatte Iran offenbar Vergeltung geübt. Marineeinheiten hatten per Hubschrauber das Tankschiff „Advantage Sweet“ gekapert, das Medienberichten zufolge kuwaitisches Öl an den amerikanischen Chevron-Konzern in Texas liefern sollte. In den vergangenen Jahren hat Iran immer wieder ausländische Tankschiffe unter seine Kontrolle gebracht. Zuletzt hatte es nach amerikanischen Angaben in diesem Monat zweimal versucht, Schiffe zu kapern. Dies sei jedoch von amerikanischen Kriegsschiffen vereitelt worden.

Um die Abschreckung gegenüber Iran zu verstärken, hat das Pentagon in dieser Woche die Verlegung des Zerstörers USS Thomas Hudner und zusätzlicher F-35-Kampfflugzeuge in die Region angekündigt. Eine Pentagon-Sprecherin sagte, Amerika verstärke seine Präsenz, um die Lage in der Straße von Hormuz und den umliegenden Seegebieten besser beobachten zu können.



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