„The Last Samurai“ in Kagoshima


Über die Schönheit des Shiroyama Hotels in der japanischen Stadt Kagoshima kann man diskutieren – ein 1974 erbauter, mehr als hundert Meter langer, achtstöckiger Querriegel auf der Hügelkuppe –, nicht aber über die Schönheit seines Onsens. Dessen Badebecken liegt draußen auf einer Terrasse mit Blick auf Sakura­jima, die Kirschblüteninsel in der Bucht von Kagoshima, und was sich darauf erhebt, ist der nach dem Fuji am perfektesten in die Landschaft modellierte Vulkan des an solchen Bergen nicht eben armen Landes. Die Nähe zur Stadt, die Form des Berges, ja selbst seine Höhe erinnern an den Vesuv, und daueraktiv ist der Sakurajima auch. Im Wasser des Onsens, dessen Hitze sich dem Vulkan verdankt, ruhend, kann man nachts das leichte Glosen über dem Krater sehen und zugleich den leichten Aschefilm wieder von der Haut ab­waschen, der für Kagoshima typisch ist.

Es ist die südlichste Großstadt Japans, mehr als 1300 Kilometer von Tokio entfernt, aber der Shinkansen braucht mit einmal Umsteigen nicht mehr als sieben Stunden für die Fahrt. Zu Pferde bedeutete derselbe Weg im neunzehnten Jahrhundert eine mehrwöchige Reise, wenn der Daimyō von Satsuma, dem Herrschaftsgebiet rund um die Stadt, mit seiner Hofhaltung zwischen den jährlich vorgeschriebenen wechselnden Aufenthaltsorten in seiner eigenen Hauptstadt und in Edo (heute Tokio), dem Sitz des Shoguns, unterwegs war. Es war eine willkommene Erleichterung – von der finanziellen Ersparnis gar nicht zu reden – für die japanischen Fürsten, als dieses innenpolitische Kontrollinstrument der Tokugawa-Herrschaft von 1862 wegfiel. Das war der Beginn jenes Umsturzes der dortigen Gesellschaft, der sechs Jahre später in die Meji-Restauration münden sollte.

Einer der maßgeblichen Männer bei dieser Wiedereinsetzung des Kaisers als bedeutende politische Kraft im Lande war Saigō Takamori, Samurai aus Satsuma im Dienste des dortigen Daimyō Shimazu Hisamitsu. Saigō schlug als Führer einer kaiserlichen Samurai-Armee die Versuche der Tokugawa-Truppen nieder, die Macht des Shogunats zu bewahren, wandte sich aber angesichts der militärischen Reformen in den Folgejahren von der neuen Zentralregierung ab und zog sich nach Kagoshima zurück, wo er ein eigenes Heer von 40.000 Samurai um sich sammelte, die nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ihre Privilegien als Angehörige der Kriegerkaste verloren hatten. Der daraus resultierende, nach seinem geographischen Ursprung als „Satsuma-Rebellion“ bezeichnete Aufstand endete am 24. September 1877 mit Saigōs Niederlage und Tod in der Schlacht von Shiroyama, auf ebenjenem Hügel bei Kagoshima, auf dem heute das gleichnamige Hotel steht.



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